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6. Institutional Real Estate Symposium von BNP Paribas REIM Germany in München: Geldpolitik der EZB treibt Immobilien-Investmentmarkt an

München, 23. April 2015 – Als Folge der Zentralbankpolitik sind deutsche Core-Immobilien in jüngster Zeit noch begehrter geworden. Grund dafür ist der historisch hohe Renditevorsprung von 400 bis 500 Basispunkten, den Immobilieninvestments gegenüber Staatsanleihen zurzeit haben. Auf europäischer Ebene erscheinen derzeit besonders Märkte mit begrenzten Neubaumöglichkeiten wie München, Hamburg, Stuttgart oder Brüssel geeignet. Die Auswirkungen des billigen Geldes auf die europäischen Immobilienmärkte waren deshalb der Schwerpunkt der Diskussion im Rahmen des 6. Institutional Real Estate Symposiums von BNP Paribas REIM Germany, zu dem Reinhard Mattern, Vorsitzender der Geschäftsführung des Investment Managers, am 16. April eingeladen hatte.

Die Veranstaltung hat auch in diesem Jahr wieder einen neuen Besucherrekord verzeichnet und die Erwartungen der rund 130 Teilnehmer aus der Investoren- und Bankenszene voll erfüllt. Die thematisch abwechslungsreichen Vorträge der Referenten zu aktuellen Trends und Entwicklungen aus der Immobilien- und Finanzwirtschaft sorgten mit ihren Einsichten, Thesen und Perspektiven für reichlich Gesprächsstoff unter den Teilnehmern.

Reinhold Knaus, Senior Economist BNP Paribas, eröffnete die Vortragsserie mit einer Warnung: Aus seiner Sicht wird die Jagd nach Rendite am Kapitalmarkt für Investoren immer gefährlicher. Der Fall des Ölpreises sei zwar positiv für die Weltwirtschaft. Die Divergenz in der Geldpolitik zwischen der Eurozone, den USA und Japan, aber auch den Emerging Markets wird jedoch nach seiner Einschätzung zunehmen und zu mehr Volatilität führen. Anleger sollten deshalb ihre Ziele klar definieren und je nach Priorität - laufender Ertrag, Wertzuwachs oder Kapitalerhalt – unterschiedliche Strategien verfolgen.

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank und Börseninsider, sprach in diesem Zusammenhang von einem „emotionslosen Aktienaufschwung“. In seinem pointierten Vortrag arbeitete er heraus, dass durch die aktuelle Geldpolitik der EZB fundamentale Gesetzmäßigkeiten des Kapitalmarkts außer Kraft gesetzt seien. Die Notenbank verhindert nach Halvers Interpretation, dass Zinsen oder Renditen steigen können. Zwar bewertete er den Aktienmarkt unverändert positiv, weil für einen Aktien-Crash die Zutaten fehlen; vielmehr sollten die Entwicklung der Weltwirtschaft, der Energiepreise und der Geldpolitik die Märkte weiter stützen. Trotzdem endete der Aktienexperte mit einem Plädoyer für eine höhere Gewichtung von Sachanlagen - wie etwa Immobilien - im Portfolio institutioneller Investoren.

Einen optimistischen Blick auf die europäische Immobilienmärkte präsentierte Stefan Janotta, Head of Research BNP Paribas REIM Germany. Auf Grund der anziehenden Konjunktur in Europa rechnet er bis 2018 mit steigenden Mieten, so dass der laufende Ertrag aus Immobilien stärker in den Fokus der Investoren rücken dürfte. Die Angebotsknappheit an Core-Objekten sollte nach Meinung des Researchers europaweit mindestens bis 2017 andauern, verstärkt durch die geringe Verkaufsbereitschaft vieler Bestandshalter. Solange die Zinsen niedrig bleiben, sind Total Returns aus Immobilien von mehr als vier Prozent realistisch. Gleichzeitig bieten (Core)-Immobilien nach Abzug der aktuell niedrigen Finanzierungskosten Ausschüttungen von 4,5 bis 5,5 Prozent und einen Spread von 400 bis 500 Basispunkten zur Rendite von Staatsanleihen. Wertrückgänge erwartet Janotta erst bei deutlich steigenden Zinsen. Aufgrund des hohen Wettbewerbs um Core-Assets sieht er im Value add Segment eine attraktive Alternative, wobei der Fokus auf sehr guten Lagen liegen sollte. Zur Vorsicht mahnte er hingegen bei neuen Core+ Objekten in B-Lagen, bei denen die Bestandsmieten bei Nachvermietung oft nicht gehalten werden können.

Ein Plädoyer für eine Erhöhung der Immobilien-Investmentquote formulierte auch Hauke Brede, Chief Risk Officer der Allianz Real Estate, mit Blick auf das Niedrigzinsumfeld. Immobilien verbesserten die Diversifikation des Gesamtportfolios eines institutionellen Investors im Vergleich zu anderen Asset-Klassen. Das Renditepotential, die Inflationssensibilität und geringere Volatilität seien weitere Pluspunkte für eine stärkere Kapitalallokation in Immobilien. Das Risiko-Rendite-Profil von Immobilien liegt nach Brede zwischen Bonds und Aktien. Dabei weisen sie nur eine geringe Korrelation mit anderen Asset-Klassen auf, haben aber gleichzeitig ein erhöhtes Potential für zusätzliche Wertsteigerungen durch aktives Asset-Management.

Mit Blick auf die in den letzten Jahren stark steigenden Investitionen in Hotels erläuterte Ulrike Schüler, Geschäftsführerin von PKF hotelexperts, die Besonderheiten der Asset-Klasse Hotel im Rahmen eines kurzen Vortrages. Im anschließenden Dialog zwischen Dieter Müller, Gründer und CEO der Hotelkette Motel One und Benjamin Ploppa, Hotelexperte bei BNP Paribas REIM Germany, ging es um die speziellen Herausforderungen der Hotelbranche.
Am Beispiel der noch jungen Hotelkette Motel One wurde das Wettbewerbsumfeld beleuchtet sowie die Veränderungen der Gästenachfrage, die Trends in der Konzeption und die Konkurrenz durch neue Vermittlungsplattformen wie AirBNB oder Wimdu erörtert. Die Diskussion setzte sich mit den wesentlichen Erfolgskriterien aus Betreiber- und Investorensicht auseinander: Neben einem geeigneten Standort, dem entsprechenden Konzept und einem professionellen Hotelbetreiber gehört auch externe und interne Expertise zu den wesentlichen Voraussetzungen im Umgang mit der Betreiberimmobilie Hotel.

Sven Zeller und Jan H. Grabbe, beide Partner bei Clifford Chance, informierten in ihrem Vortrag über die Auswirkungen der aktuellen Regulierungswelle auf Immobilieninvestments. Stichworte ihrer Ausführungen waren die Immobilienanlage nach der neuen Anlageverordnung, Erfahrungen mit Immobilienfonds als Luxemburger SCS, die Eckpunkte einer möglichen „Großen Investmentsteuerreform“ sowie Neuigkeiten aus der Finanzverwaltung und zum Thema Grunderwerbsteuer.

Schließlich referierte Felix Brych, Jurist und WM-Fußball-Schiedsrichter, aus sportlicher Sicht über die Entscheidungsfindung unter Druck und eröffnete den Teilnehmern so eine neue Perspektive auf ein Thema, das auch im Wirtschaftsleben hohe Bedeutung hat.